Das Zauberwort heißt "delegieren"
Schleiden 23.6.2011
Mit einem Zitat, das ich sinngemäß wiedergebe, möchte ich mich aus Sorge um die Kirche wieder zu Wort melden. Das Zitat stammt von einer stark engagierten Frau aus unserer Kirche.
"Ich kann das Gejammere zu vieler Priester nicht mehr hören. Sie lassen sich durch XXL-Gemeinden immer größere Lasten auflegen, ohne den Bischöfen und Rom zu widersprechen, bauen so, bewusst oder unbewusst, deren Machtpositionen immer weiter aus, huldigen einem gefährlichen Klerikalismus, lassen die die prophetische Seite in ihnen verkümmern und entwickeln deswegen keine Visionen für eine Erneuerung der Kirche.
Wie Bischöfe und Rom ignorieren sie die Vorstellungen engagierter Frauen und Männer aus dem Volk Gottes, deren Visionen werden mit einer Handbewegung zur Seite geschoben - auf der anderen Seite klagen sie über permanente Überbelastung und einen drohenden Burnout."
Der frühe Tod eines GDG-Leiters aus Viersen hat mit solchen Aspekten in unserer Kirche auch zu tun. Auch den Gemeinde- und Pastoralreferenten und -referentinnen werden immer größere Lasten aufgetragen - dabei hat der Priester immer das letzte entscheidende Wort. Die Bischöfe - nicht aus Boshaftigkeit - werden gebeugt durch Rom weil sie Rom per Eid zu Gehorsam verpflichtet sind. Die Kirche Jesu Christi kann aber nur ihre Lebendigkeit bewahren von einem "ich und wir"-Gefühl von kleinen Gemeinden, die verlässliche und liebevolle Gemeinschaften bilden, immer in Offenheit für die Menschen, die am Leben zu zerbrechen drohen.
Die Kirche kann sich nicht mehr länger einen Klerikalismus leisten, ohne zu einer kleinen Sekte zusammenzuschrumpfen - darin stimme ich mit vielen engagierten Frauen und Männern aus dem Volk Gottes überein. Wie jede und jeder wissen müsste, war Jesus weder Priester noch Kleriker noch strebte er nach Machtpositionen. Eine Machtfülle wie sie von Rom ausgeht, war ihm zuwider. Jesus war Diener Gottes und Diener der Menschen und verstand seinen Dienst am Frieden in der Welt.
Das Zauberwort als erster Schritt für die Priester - von dem Bischöfen toleriert - heißt "delegieren", um wieder mehr frei zu sein für die Seelsorge. Bei den in den Diözesen entwickelten Pastoralkonzepten müsste man sonst das "Pastoral" streichen. KGV- (Kirchengemeindeverband) und GDG- (Gemeinschaft der Gemeinden) Leiter oder Leiterinnen können ohne Problem auch Laien sein und das in kleineren Einheiten als vorgesehen. Das wäre eine große Entlastung für die Priester und könnte ein wesentlicher Aspekt sein, einen möglichen Burnout zu verhindern. Das "ich und wir"-Gefühl zwischen Priestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten und -referentinnen und Frauen und Männern aus dem Volk Gottes müsste stark gefördert werden und Priester dürften nicht allein das Sagen haben. Will die Kirche nicht vor allem die Jugend und die Frauen verlieren, sollten verheirateten Frauen und Männern per Weihe priesterliche Aufgaben übertragen werden.
Papst Benedikt XVI. kommt im September zu einem Staatsbesuch nach Deutschland. Unzählige Menschen werden mit dem Papst Eucharistie feiern und die Kommunion empfangen. Ohne mit allen Gruppierungen in der Kirche zu kommunizieren, bewirkt der Empfang der Heiligen Kommunion recht wenig. Es ist höchste Zeit, dass der Papst mehr Verantwortung an die Ortsbischöfe delegiert. Die Bischöfe aber sollten sich von engagierten und kompetenten Frauen und Männern aus dem Volk Gottes beraten lassen und längst überfälligen Erneuerungen zustimmen. Die Römisch-Katholische Kirche darf nicht immer mehr von Fundamentalisten beherrscht werden. Wir brauchen Propheten und ihre Visionen, die im Geiste Jesu leben und sich vom Geiste Gottes leiten lassen - vor allem den Menschen gegenüber, die an den Wegesrand gedrängt wurden. Es ist höchste Zeit dafür, aus Liebe zur Kirche Jesu Christi.
Bruno Ix
Pfarrer in Schleiden-Dreiborn

